Ein biographischer Abriss zu Pezzls 250. Geburtstag (2006)
Erschienen in:
Literatur in Bayern, Nr. 85 (September 2006), S. 38-46.
Ein Exemplar der Zeitschrift finden Sie hier:
Textanfang:
Johann Andreas Pezzl (auch Peztl) wird am 30. November 1756 in Mallersdorf im Labertal (zwischen Neufahrn/Niederbayern und Straubing) als ehelicher Sohn des Mallersdorfer Klosterbäckers Franz Petzl und seiner Gattin Maria Magdalena, geborene Stubenreitter, geboren und in der Pfarrei Westen, damals zum Mallersdorfer Benediktinerkloster gehörig, getauft. Der kleine Johann wächst zusammen mit seinem Bruder in der niederbayerischen Provinz auf und genießt seine erste Schulausbildung an der klösterlichen Elementarschule. Im Alter von 11 Jahren verlässt er das heimatliche Mallersdorf und macht sich auf Anraten seiner Eltern zur weiteren schulischen Ausbildung auf den Weg in das 80 km entfernte Freising. Dort, auf dem „mons doctus“, durchläuft Pezzl in acht Schuljahren Gymnasium und Lyceum der Freisinger Studienanstalt, in der so fortschrittlich denkende Professoren wie Pater Benedikt Maria Werkmeister (1745-1823) unterrichten. „Joan Evang. Petzl“ erscheint in den „Catalogi Studiosorum“ zum ersten Mal als Schüler des Romuald Klöck, der im Schuljahr 1768/69 23 Schüler im Fach Rudiment (I. Grammatik) unterrichtet. Am Jahresende werden dem Schüler Talent, Beharrlichkeit und ein solch schneller Fortschritt bescheinigt, dass er bereits zu den Besten seiner Klasse gezählt werden kann. Seine Umgangsformen werden als für sein Alter männlich („mores supra aetatem masculos“) beurteilt, was auf eine gewisse Frühreife des 12jährigen hinweist. Dieser Eindruck verstärkt sich in den Anmerkungen des folgenden Jahres, als nämlich Pezzls „ingenium“ als einziges als „maturum“ und seine „mores“ als „masculi“ bezeichnet werden. Pezzl entwickelt sich mehr und mehr zum Musterschüler und die Beurteilungen seines vorletzten Freisinger Jahres sind schließlich kaum noch zu überbieten: Dort ist von einem „praestantissimum ingenium“, einer „maxima diligentia“ und „mores de prima nota“ die Rede. Sein Jahresfortschritt wird folgendermaßen beschrieben: „Locum inter optimus primum cum eminentia obtinuit.“ Klassenprimus mit „ingenium excellens“ bleibt der inzwischen 18jährige Pezzl auch in seinem letzten Jahr, doch lassen die Eintragungen für Aufmerksamkeit und Verhalten zum ersten Mal einen etwas eigenwilligeren Jüngling erahnen. Besonders die Beschreibung der „mores“ zeigt zudem auch die humorvolle Seite des beurteilenden Lehrers: „non nihil rus olent, cetera pii.“ [...]
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