Ein biographischer Abriss zu Lachners 200. Geburtstag (2003)
Erschienen in deutscher Sprache in:
Literatur in Bayern, Nr. 74 (Dezember 2003), S. 50-63.
Ein Exemplar der Zeitschrift finden Sie hier:
Erschienen in spanischer Sprache in: Filomúsica Nr. 46 (2003)
Textanfang:
Franz Lachner wurde am 2. April 1803 in Rain am Lech geboren. Er war das vierte von zehn Kindern, das in der zweiten Ehe seines Vaters Anton geboren wurde; er wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen mit zeitweise 15 Geschwistern auf, denn die erste Frau seines Vaters – die Witwe Schamberger - hatte bereits zwei Kinder mit in die Ehe gebracht und ihrem Mann noch vier weitere Kinder geschenkt. Der Vater, wochentags Uhrmacher und sonntags Organist der katholischen Stadtpfarrkirche, kümmerte sich höchstpersönlich und trotz sehr bescheidener finanzieller Mittel um eine umfassende musikalische Ausbildung aller seiner Kinder; legendär geworden ist sein „stummer Musikunterricht“, der darin bestand, seine Kinder auf aufgemalten Tastaturen üben zu lassen; lediglich sonntags war es den fleißigsten unter ihnen vergönnt, auf der Kirchenorgel ihre eigenen Töne zu hören. Die Beharrlichkeit des Vaters zahlte sich letztendlich aus: Sechs seiner Kinder (darunter die Töchter Thekla und Christina) konnten sich ihren Lebensunterhalt als Berufsmusiker verdienen; als Vater Anton 1820 an Hungertyphus starb, war es die 15jährige Christina, die mit ihrem musikalischen Können für das Familieneinkommen sorgte. Neben den beiden Töchtern und Theodor, einem Sohn aus erster Ehe, wußten sich vor allem Franz, Ignaz (1807-1895) und Vinzenz (1811-1893) als Kapellmeister und Komponisten weit über die Grenzen ihrer jeweiligen Wirkungsstätten hinaus einen Namen zu machen. Doch bis es soweit war, kümmerte sich Franz um Ausbildung und Anstellungen seiner jüngeren Brüder: Als er München 1823 verläßt, übernimmt sein vier Jahre jüngerer Bruder Ignaz seine Violinistenstelle am Isartor-Theater, bis ihn Franz einige Zeit später als Organist der evangelischen Kirche nach Wien holt. [...]