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„Candidatus Joannes Pezzl“ - Auf den Spuren eines konspirativen Salzburger Studentenlebens um 1780

Johann Pezzls Salzburger Zeit - ein Beitrag zu Pezzls 250. Geburtstag (2006)

> Vortragsveranstaltung in Salzburg


Aufsatz erschienen in: 
Salzburg Archiv, Band 32 (2007), S. 187-208.

Textanfang:
Der heute nur noch wenig bekannte Johann Andreas Pezzl (1756-1823) gehört zusammen mit Johann Kaspar Riesbeck (1754-1786) zu den zentralen Figuren der Aufklärungsliteratur der 1780er Jahre. Anhand eigener Erlebnisse als Novize in einem Benediktinerkloster entstehen, ganz im Trend der Zeit, seine „Briefe aus dem Noviziat“, die zusammen mit Riesbecks „Briefen über das Mönchswesen“ Schlüsselwerke der antimonastischen Literatur jener Tage darstellen. Ebenfalls im Trend der Zeit liegt die nur wenige Jahre später entstandene „Reise durch den Baierschen Kreis“, die ebenfalls in geistiger Nähe zu Riesbecks „Briefen eines reisenden Franzosen“ steht.
Pezzls wichtigstes und heute noch bekanntes Werk jedoch ist der 1783 erschienene Roman Faustin, nicht zu Unrecht als das deutsche Pendant zu Voltaires Candide bezeichnet, in dem mit spitzer Feder und viel satirischem Witz der lange Weg des Helden ins Paradies der Aufklärung, in das Wien unter Joseph II., nachgezeichnet wird.

Auf den Spuren dieses kleinen, auf den ersten Blick eher unscheinbaren Mannes, dessen geistige Größe sich dennoch jedem offenbarte, der nur einmal näher mit ihm zu tun hatte, sollen im Folgenden seine Salzburger Studentenjahre rekonstruiert werden. In diesen vier Jahren von 1776 bis 1780 hat der gewesene Benediktiner-Novize und Student der Jurisprudenz nicht zuletzt durch die Begegnung mit Johann Kaspar Riesbeck zu seiner eigentlichen Bestimmung als kritisch-satirischer Zeitzeuge der ihn umgebenden Gesellschaft gefunden und seinen Weg als Schriftsteller der Aufklärung mit jenem kleinen Büchlein begonnen, dem ersten Band der „Briefe aus dem Noviziat“, das im Sommer 1780 eine Untersuchungskommission gegen ihn auf den Plan gerufen hat. [...]